Märklin Spur-0-Anlage der 1930er Jahre

Für unsere mobile Spur-0-Anlage im Märklin-Stil der 1930er-Jahre setzen wir ausschließlich Blechschienen ein, da Modellschienen für den schnellen Auf- und Abbau weniger geeignet sind und eher zu Kurzschlüssen neigen. Wir fahren immer auf stabilen Tischen, die durch den Veranstalter gestellt werden. Auf dieser Tischunterlage breiten wir grüne Filztücher aus, die einen schönen optischen Untergrund darstellen und zusätzlich die Geräuschkulisse etwas angenehmer gestalten. Die Breite der Anlage kann je nach Tisch- bzw. Platzverhältnissen zwischen 1,60 m und 2,60 m variieren, die Länge zwischen 4 m und 8 m. Der Aufbau orientiert sich immer an den Platzverhältnissen. Wir vermeiden grundsätzlich komplexe Anlagenaufbauten, um Fahrtage möglichst unfallfrei und betriebssicher zu gestalten. Zum Einsatz kommen 2 bis 4 Ovale, manchmal um eine kleine „Acht“ ergänzt.

Anlagenaufbau am 29. und 30.12.2006 im Stadtmuseum Baden-Baden: 4 Ovale auf einer Grundfläche von 2,60m x 6,00m

Diese Ovale sind elektrisch vollkommen getrennt. Somit können immer mehrere Züge – maximal bis zu 5 – zeitgleich unabhängig voneinander fahren. Bei Störungen in einem Oval geht die Fahrt auf den anderen Ovalen für die Zuschauer ungestört weiter. Pro Oval gibt es ein Überhol- bzw. Abstellgleis, damit Züge regelmäßig getauscht werden können. Die Fahrtrichtung wechselt von Oval zu Oval, so dass zahlreiche Zugbewegungen sichergestellt sind. Für Kinder, die eine optimale Beobachterposition haben, ist also ordentlich etwas geboten.

Lokomotiven mit 20-Volt-Antrieb haben sich für den intensiven Fahrbetrieb bei mehrtägigen Ausstellungen am Besten bewährt. Auf dampf- oder uhrwerk-angetriebene Lokomotiven wird bewusst verzichtet. Um die Lokomotiven gezielt vorwärts und rückwärts steuern zu können, setzen wir für unsere Anlage ausschließlich Gleichstrom-Fahrgeräte ein. Viele Lokomotiven sind hierfür mit geeigneten Gleichrichtern ausgestattet. Um „elektrische Kontaktprobleme“ während des Fahrbetriebs weitestgehend zu vermeiden, werden neue, den Progress-Schienen von Märklin nachempfundene Schienen der Firma Thul eingesetzt. Der große Außenradius (Durchmesser 190 cm) wurde durch Märklin nie mit Blechschienen angeboten. Deshalb werden hierfür Schienen des amerikanischen Herstellers Lionel mit passenden elektrischen Weichen verwendet.

Links: Lionel-Gleis, Rechts: Kesselwagenzug auf Progressgleis von Thul

Jedes Oval wird zweimal eingespeist. Die Lionel-Weichen des Außenkreises werden elektrisch betrieben. Für die anderen Ovale werden Handweichen von Märklin eingesetzt, um den Verdrahtungsaufwand zu minimieren. Zuschauer werden häufig als Weichensteller eingesetzt, was insbesondere Kindern viel Spaß bereitet. An Zubehör setzen wir ein, was schön und aus Blech ist. Dabei wird weder auf Hersteller noch auf Alter geachtet. Es werden lithographierte Blechhäuser der Firma Blechschmidt aus Gotha aufgestellt, …

Kolonialwarenladen und Metzgerei

… zahlreiche Gebäude wie das Sägewerk, die Bekohlungsanlage oder den Wasserturm von Herrn Rudi Schrimpf (RS), …

Bekohlungsanlage von RS

… Dampfmaschinenzubehör der Firma Doll aus den 1920er Jahren sowie Märklin-Gebäude, die alle zusammen das Anlagenbild abwechslungsreich beleben.

Primex H0-Anlage

Um auch unsere Blecheisenbahnen der Spurweiten 00 bzw. H0 von Märklin und Primex gelegentlich einsetzen zu können, kam die Idee zum Bau einer mobilen H0-Anlage auf. Da der Aufwand des Auf- und Abbaus unserer Spur-0-Anlage doch sehr erheblich ist, sollte diese Anlage für kurzfristige Einsatzzwecke einfach auf- und abbaubar sowie transportabel sein.

Schnell waren die verfügbaren PKW vermessen: Die maximale Breite durfte 112 cm nicht überschreiten, als maximale Plattenlänge wurden 140 cm ermittelt. Für einen geeigneten Fahrbetrieb mussten also mehrere Platten modular aneinander gefügt werden. Steigungen kamen aufgrund des angestrebten einfachen Transports nicht in Frage, weshalb die Wahl der Gleisgeometrie auf zwei Ovale mit Überholgleisen fiel. Die Anlagenmodule wurden so gestaltet, dass der Fahrbetrieb entweder mit zwei Platten (280 cm x 112 cm) für kurze Züge oder mit drei Platten (420 cm x 112 cm) für lange Züge durchgeführt werden kann. Damit kann die Anlage entsprechend den verfügbaren Platzverhältnissen flexibel eingesetzt werden.

In den vielen Gesprächen mit unseren Besuchern fielen immer wieder die Aussagen: „kein Platz, zu teuer, kann ich nicht!“ Deshalb sollten mit der zu bauenden H0-Anlage folgende Beweise geführt werden:

1. Für eine Eisenbahn ist Platz in der kleinsten Hütte.
2. Eine Eisenbahnanlage muss nicht teuer sein.
3. Man muss kein begabter Modellauer sein, um eine gefällige Spielanlage zu bauen.

Zu 1: Die doch mit mindestens 2,8 m Länge recht große Anlage steht das Jahr über an der Wand in der Garage bzw. im Keller und nimmt nur sehr wenig Raum in Anspruch. Nur temporär in den Ferien bzw. zu Fahrveranstaltungen wird die Anlage aufgebaut. Das sollte für wenige Tage in fast jeder Wohnung gehen.

Zu 2: Sämtliche Schienen sind von Primex und dadurch als „Gebrauchtware“ zu sehr günstigen Preisen in technisch gutem Zustand zu erhalten. Die verbauten Schienen haben in Summe ca. 100 Euro gekostet. Tatsächlich waren die Holz-Tischlerplatten für den Unterbau teurer. Mit den Fahrgeräten und dem Unterbau mussten ca. 300 Euro für die 4,2m lange Anlage investiert werden.

Zu 3: Es wurde bewusst nur ein sehr einfaches Gelände bestehend aus Wiesen und mit Dispersionsfarbe gemalten Straßen im Stile der frühen 1960er Jahre gestaltet. Als Gebäude wird auf Holzhäuser der Firma Faller aus den 1950er und 1960er Jahren zurückgegriffen. Diese sehr realistischen Gebäude sind großteils sehr günstig zu bekommen und verfügen über einen eigenen Charme.

Man kann bei jedem Aufbau neu variieren und mit ein paar Bäumen, Fahrzeugen und Figuren sieht es gleich recht beschaulich aus. Die positive Resonanz der meisten Zuschauer bestätigt dies.

Die Lokomotiven werden analog gesteuert, die Überholgleise sind abschaltbar. Vieladrige Steuerkabel unterhalb der einzelnen Platten können mittels Computersteckern schnell miteinander verbunden werden.

Die anschraubbaren Tischbeine sind in jedem Baumarkt kostengünstig erhältlich. Tatsächlich ist die Anlage in ca. 60 Minuten fahrbereit und in ca. 30 Minuten wieder abgebaut und verladen. Auch mit diesereinfachen Anlage macht der Fahrbetrieb mit Blecheisenbahnen unheimlich Spaß!

Aus Platzgründen und einer Fokussierung auf meine Spur-0-Sammlung habe ich mich von dieser Anlage zwischenzeitlich getrennt.